Boris Atelier, Boris Fröhlich


Schützenbilder

Blatt des Neusser Kalenders:
  Im Gleichschritt Marsch zur Krönung
 
Als ich vor zwanzig Jahren über den Rhein von Düsseldorf nach Neuss zog, wusste ich von meiner neuen Heimat noch nicht viel - vom Schützenfest so gut wie gar nichts. Dem "höchsten Fest in Neuss" kann sich jedoch niemand ganz entziehen, sei es nur, weil Umzüge und Kirmestreiben an den letzten Tagen im August das städtische Leben in seinem sonstigen Ablauf völlig verändern.
 
Dank guter Freunde, die alteingesessene Neusser sind, bekam ich in den ersten Jahren die allernötigsten fachkundigen Informationen über den Ablauf der Festtage von Sonntag bis Dienstag, aber für tiefer gehende Erklärungen dieses Phänomens reichte nie die Zeit - schließlich wollten meine Informanten selbst am Fest teilhaben und nicht nur den Fremdenführer spielen...

In den folgenden Jahren verlor ich das Neusser Brauchtum fast völlig aus den Augen, da ich in der Festzeit fast immer unterwegs war, um in Franken oder Italien zu arbeiten.

Als ich vor etwa zwei Jahren um ein "Schützenbild" gebeten wurde, glaubte ich zuerst, dies mit den raren Kenntnissen der Anfangsjahre leisten zu können - welch ein Irrtum! Schnell stellte ich fest, daß ich so gut wie nichts wusste und begann damit, zuverlässige Informanten zu suchen - außerhalb der Festzeit.

Zu meinem Glück und zu meiner Überraschung gaben sich auf meine Fragen hin viele Bekannte, Freunde und Geschäftspartner als aktive Schützen zu erkennen, die mir ihr Hintergrundwissen anboten, als sie von der Ernsthaftigkeit meines Anliegens überzeugt waren.

In den vielen Gesprächen, die ich bisher geführt habe, wurde mir dies deutlich und ich konnte mich überzeugen, daß es beim Schützenwesen nicht um kommerzialisierte Folklore oder um ein paar Tage Volksbelustigung geht, sondern um eine Haltung, die Gemeinsamkeiten erzeugt, soziale Bindungen schafft und festigt, die besonders für die "Aktiven" dem ganzen Jahr einen bestimmten Rhythmus gibt.

Nach meinem ersten Schützenbild entstand bei mir der Wunsch, mein neu erworbenes Wissen auf meine Art umzusetzen und das gesamte Spektrum dieses Neusser Brauchtums darzustellen. Gleichzeitig fühle ich mich auch verpflichtet, als Dank für die Unterstützung, meinen Teil zur Traditionspflege - die hier auch immer Erneuerung war - beizutragen, indem ich durch meine Bilder und die Keramiken und Medaillen die Ideen und Motive dieser Tradition konkretisiere. Ich hoffe, ich kann dadurch auch bei "eingewanderten" Neussern Interesse wecken und Denkanstöße geben.